Werbung auf Spotify – oder: Im Ernst jetzt?

Jeder, der aus welchen Gründen auch immer nicht in den Genuss von Spotify Premium kommen kann, der kennt das bestimmt: Es ist Sonntag Abend, man hockt gerade entspannt auf der Couch oder auf dem Balkon und lässt irgend eine entspannte Musik von dem super coolen Künstler, den man vor ein paar Tagen entdeckt hat im Hintergrund von Spotify wiedergeben, denn wer kauft sich heute schon noch Musik, die zwar cool ist, aber so cool dann auch wieder nicht.

Da man ja kein Premium hat, werden einfach zufällig zwischen den Liedern Werbanzeigen eingespielt. Nun kennt man ja den Modernen Mythos, dass das Internet – bzw. die Werbeanbieter wie Google – Verhaltensmuster analysieren, Verläufe auswerten, Protokolle und Profile erstellen, Intelligent die Psyche durchleuchten und hochkomplexe Algorithmen über alle erfassten Daten zur verwendeten IP-Adresse, MAC-Adresse, den gespeicherten Cookies und den Personenbezogenen Daten über andere Tracking-Verfahren laufen lassen, um die den Benutzer einer oder mehreren Zielgruppen zuzuordnen und einem so nach Tageszeit und Aktivitätprofil angepasst mittels Werbung zu suggerieren, dass es mal wieder Zeit wäre, dies und das direkt online zu kaufen. – Das ist der Mythos der Intelligenten Werbung, des Web 2.0, wenn nicht sogar des Web 3.0.

Bei Spotify ist das alles noch nicht angekommen.

Da läuft munter während ich meinen sweeten Blues höre auf einmal Werbung für den grenzdebilsten Ballermann-Schwachsinn.

SpotifyEntweder hat Spotify einfach noch nicht verstanden, was Zielgruppenorientierte Werbung bedeutet und macht die Anzahl bzw. Häufigkeit der Werbeeinblendungen allein am vom Kunden definierten Kontingent fest – oder, und das denke ich persönlich, ist die wahrscheinlichere Alternative, es will ich einfach nur bis in den Haaransatz damit nerven. Denn mal im Ernst: jeder ist sich selbst der nächste, und das gilt auch und vor allem in der heutigen Zeit für Unternehmen. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupte, dass die Spotify-Software weiß, was für Musik ich gerade höre und was mich am meisten nerven würde, was der aufdringlichste, lauteste und unpassendste Werbespot ist.

Und warum macht die Software das? Natürlich. Spotify will vielleicht schon, dass die Werbeanzeige Klicks bekommt. Vor allem will Spotify aber, dass ich ein Premium-Abonnement abschließe und das Geld in das Unternehmen investiere. Spotify will weiter bestehen. Spotify will seinen Kundenstamm ausbauen. Also muss Spotify mich ja davon überzeugen, dass Premium gut ist.

Warum mag ich Spotify nicht und hole mir auch kein Premium?

Ich möchte die Musik zu meiner Verfügung haben. Unabhängig von Verträgen mit Unternehmen. Ich kaufe mir die Lieder meistens als Download oder CD, auf jeden Fall landet sie aber früher oder später in meinem iTunes Match und ist so unkompliziert auf allen meinen Geräten. Ohne Streaming aus dem Internet also ohne Internet-Zwang und ohne das Risiko, dass der Song morgen nicht mehr zur Verfügung steht. Und vor allem ohne eher mittelmäßig programmierte Software, die meinen Computer als Medienserver missbraucht und meine Inhalte der Wolke und andern Clients zur Verfügung stellt.

Darum beiße ich in den Sauren Apfel und kaufe mir die Musik auch einfach. Und so habe ich auch die Selektierung schon getroffen. In meiner Musikdatenbank ist nur die Musik, die mir auch etwas wert ist. Nicht einfach alles, wie in Spotify. Und egal, welches Lied ich gerade starte: Ich mag es. Und es war mir (in 90% der Fälle) das Geld Wert.



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