Roll on.

„Musik, zu der man nackt tanzen kann“ –

rest in peace, JJ Cale.


Masters of Delta-Blues III – Big Bill Broonzy

Im Dritten Teil beschäftigen wir uns näher mit einer regelrechten Legende – schon allein der Name steht für sich.

Es handelt sich um  Lee Conley Bradley, oder wie man ihn besser kennt: Big Bill Broonzy. Er kam aus dem Mississippi Delta – und starb in Chicago. Ihm wird nachgesagt, den frühen Chicago-Blues entscheidend geprägt zu haben. Trotz dass man ihn auch sehr gern mit der Chicagoer Bluesmusik in Verbindung bringt sehe ich ihn eher als Brückenelement. Und ein Master of Delta-Blues war er wirklich.

Und das obwohl er erst verhältnismäßig spät (im alter von 60 Jahren) Berufsmusiker wurde. Er war im Ersten Weltkrieg und später als Farmarbeiter tätig. Als Musiker aktiv war er seit den 30er Jahren: Nach Robert Johnsons Tod wurde er u.A. für die New Yorker Show From Spiritual To Swing engagiert. Auch wird ihm nachgesagt, das erste Powertrio – noch weit vor Cream, ZZ Top und Konsorten – mit den Famous Hokum Boys ins Leben gerufen zu haben (Hier bitte nicht mit Supergroup gleichsetzen, da war Cream die erste).

Von ihm Stammt auch Hey Hey – das Meister Clapton ja nur zu gerne Covert. Und er war maßgeblich an Key to the Highway (zusammen mit Charlie Segar) beteiligt.

„Some of the verses he [Charlie Segar] was singing it in the South the same time as I sung it in the South. And practically all of blues is just a little change from the way that they was sung when I was a kid … You take one song and make fifty out of it … just change it a little bit.“

– Big Bill Broonzy über Key to the Highway

Die schönste Version, die man heute von Key to the Highway hören kann kommt definitiv von B.B. King.

Big Bill Broonzys Werk fasziniert mich persönlich – und auch die Lebensdauer und Popularität seiner Songs (er hat Zeit seines Lebens über 350 Stück komponiert).

3 davon hier in wirklich guter Qualität und mit bewegtem Bild von 1957.

http://www.youtube.com/watch?v=N-pShRISHnQ


Masters of Delta-Blues II – Mississippi John Hurt

 Weiter geht es im zweiten Teil mit einem heute leider weniger bekannten, aber einflussreichen Blueser: John Smith Hurt, oder dank seinem Plattenlabel auch bekannt als Mississippi John Hurt.

Auch er arbeitete zunächst auf einer Farm, später auch als Gleisbauarbeiter. Während dieser Zeit lernte er einige Musiker kennen und musizierte auch mit ihnen zusammen. So kam es, dass er ein mal mit dem Fiddlespieler Willie Narmour spielte – und dieser ihn an ein Okeh Records, einem der ersten Independent – Plattenlabel empfohl. Aus Marketinggründen wurde ihm, wie eingangs erwähnt, der Titel Mississippi verpasst. Leider war seine erste Veröffentlichung in den 1920er Jahren nicht sehr erfolgreich, so war spätestens mit der Wirtschaftskrise seine Karriere vorerst beendet und er arbeitete wieder als Landwirt.

1963 hörte der Musikforscher Tom Hoskins seinen Avalon Blues – und begann damit, Mississippi John Hurt zu suchen. Da es keinen Anhaltspunkt über seinen Verbleib gab, begann er damit, nach Avalon zu suchen. Avalon existierte damals nur noch auf sehr alten Landkarten des Mississippi-Deltas (Achtung, nicht das Delta in Louisiana, gemeint ist beim Delta-Blues allgemein das Delta zwischen dem Mississippi und dem Yazoo). Er konnte ihn tatsächlich aufspüren und zu neuen Aufnahmen überreden – so erlebte Hurt in den letzten Jahren seines Lebens noch einen großen Erfolg.

Was ihn für mich so besonders auszeichnet ist, dass er neben seinen exzellenten Gitarrenfähigkeiten anders als die meisten Delta-Blueser das rauhe, spärliche, gequälte Element, dass diese Musik auszeichnet mit einem leichtmütigen, positiven Gesang und etwas voluminöseren Gitarrenspiel auflockert, ohne dem Blues den Blues zu nehmen. Und irgendwie strahlt er dabe etwas sehr sympathisches aus.

Im angehängten Video sieht man ihn wohl auf dem einzigen von ihm existierenden bekannten Motion Picture (er gab damals vor laufender Kamera meines Wissens nach 3 Lieder zum Besten).

Auf ihn gehen Songs wie Candy Man oder Stagger Lee zurück. A true and pleasant Master of Delta-Blues.


Too Hot.

Aus gegebenem Anlass: Ein Lied über Probleme der Revolutionäre und Alltagsbürger.

Mehr über Farin Urlaub und sein Racing Team ist in Planung (und kommt sicher auch irgendwann).


Smashed Birds

Mal etwas raus aus dem Blues – rein in die verträumte Musik von Sóley Stefánsdóttir. Da man sich in Island aber grundsätzlich nur mit dem Vornamen anspricht ist sie nur unter dem Namen Sóley bekannt.

Sie ist Komponistin, Sängerin sowie leidenschaftliche Pianistin und auch öfters bei bekannteren Formationen im Hintergrund zu sehen. Solo on Tour spielt sie hin und wieder noch Gitarre und erzeugt mit ihrem ganz eigenen Gesang und Stil wahrlich Klangwelten, in denen man sich verlieren kann.

Interessant zu beobachten: Sie singt besser auf englisch, als sie englisch spricht.

Ich habe hier ein Video von einem sehr intimen Konzert gefunden, bei dem sie Gitarre spielt, singt und nur durch einen Schlagzeuger unterstützt wird. Enjoy!


Masters of Delta-Blues I – Robert Johnson

Los geht’s! Wir starten unseren Ausflug mit wohl einem der Bekanntesten Delta-Blueser überhaupt: Robert Johnson.

„Dieses Zeug war Hardcore, härter als alles, was mir je zu Ohren gekommen war.

Nachdem ich die Platte ein paarmal gehört hatte, wurde mir klar, dass ich auf einer gewissen Ebene meinen Meister gefunden hatte und dass es mein Lebenswerk sein würde, dem Vorbild dieses Mannes zu folgen.“

Eric Clapton, „Mein Leben“

Johnson begann seine Karriere klassisch: als Plantagenarbeiter. Nach seinem Schulabbruch hatte er damals nicht viele Alternativen. Er lernte als Teenager Gitarre zu spielen, später lernte er auch von Willie Brown und Ike Zinnermann. Durch das, was er bei Zinnermann innerhalb eines Jahres gelernt hatte wurde er eine Regionale Bekanntheit. So die offizielle Geschichte. Die Inoffizielle besagt, er habe in der kurzen Zeit einen Pakt mit dem Teufen geschlossen: Seine Seele gegen exzellente Fähigkeiten auf der Gitarre. Das ist zwar ein Mythos – aber ich mag die Idee dahinter. 1936 Nahm er seine erste Veröffentlichung – Terraplane Blues – auf, nachdem er unter anderem auch Sonny Boy Williamson II. und Howlin‘ Wolf beeindruckt hatte.

Aufgrund mäßigen Erfolgs gab es leider nach seiner Zweiten Veröffentlichung keine weiteren Aufnahmen. Man erzählt sich, dass er zum Vorspielen für die ersten Aufnahmen in einem Hotelzimmer mit dem Rücken zu den Zuhörern in einer Ecker gestanden hätte, so schüchtern war er. 1938 verstarb er an Syphilis. So existieren von ihm nur 29 vollendete Songs und meines Wissens nach nur 3(!) bekannte Bilder von ihm. Vor kurzem gab es einen regelrechten Hype, als das Gerücht aufkam, es sei ein neues Foto aufgetaucht. Leider war das tatsächlich nur ein Gerücht. Zunächst veränderte seine Musik nicht viel am Delta Blues – eigentlich nichts.

Seine Nachwirkungen beginnen später, wie eingangs erwähnt mit Clapton. Auch Keith Richards und viele andere waren und sind bis heute von ihm stark beeinflusst und fasziniert. Hier sein „Me and the Devil Blues“ – Passend zu seinem Mythos. http://www.youtube.com/watch?v=b7ZzfjRzZuk


Announcement: Masters of Delta-Blues

Es ist eine neue Serie im Kommen! Ich werde in nächster Zeit regelmäßig über die „alten Meister“ aus dem Mississippi-Delta posten, bei denen der Blues (umgangssprachlich gesagt) begonnen hat – sowohl über die heute gut bekannten, als auch über die etwas weniger bekannten.

Stay Tuned!

Image by Tom Hilton (originally posted to Flickr as img261) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Another sad news.

Rest in Peace, James Lewis Carter „T-Model“ Ford.

Mit ihm geht nun langsam aber sicher eine Ära an Bluesmusikern, die durch ihren rohen, ungeschliffenen aber doch Seelenvollen Stil bekannt sind. Er wurde des Öfteren mit Muddy Waters und R.L. Burnside verglichen.

Sein Gear: Was gerade an Gitarre und Amp zur Verfügung steht.

Meinen Respekt hat er für seine Späte Karriere in jedem Fall, denn er lernte erst mit ca. 60 Jahren Gitarre Spielen und begann seine Karriere erst, als er Mitte 70 war. Die ungenauen Zeitangaben kommen zustande, da sein Geburtsdatum und genaues Alter nicht bekannt sind.


In Memoriam

Zum Todestag des Jon Lord.


Santana’s Ultimate Fail

Mit Santanas Ultimate Santana wurde vor einiger Zeit ein „Grandioser“ Rückblick über eine „Unglaubliche“ Karriere eines „außergewöhnlichen Künstlers“ gefeiert und beworben, den Kritiken nach zu urteilen.
Ich lehne dieses Urteil ab. Die Luft ist schlicht und ergreifend raus!

Das gefühlt 1000. Best of Santana-Album macht nichts besser oder nichts neuer.
Es ist ein Rückblick auf eine Karriere, die auf Woodstock basiert – und sich ab da auch nicht mehr weiter entwickelt hat.
Der ultimative Santana-Sound ist bei genauerem hinhören immer der gleiche fette, unpräzise Zerrsound. Die Licks sind unverändert gleich, und teilweise auch sowieso viel zu stark von Hendrix beeinflusst.

Klar – dafür ist Santana berühmt. Und um ganz ehrlich zu sein muss ich mir auch eingestehen, dass ich ihn für den Wiedererkennungswert schätze und mich auch hin und wieder freue, wenn Santana im Radio in irgend einer Kitsch-semi-poprock-nummer im Hintergrund werkelt.

Und da sind wir schon beim nächsten Punkt: Es kommt einfach nichts neues. Diese vielen Best-of-Alben sind ja schön und gut, aber auf lange Sicht ruht er sich für meinen Geschmack zu sehr auf dem Erfolg von Samba Pa Ti und Konsorten aus – und bei bereits geschriebenen Liedern noch das Bonusfeature zu geben, das ist auch auf Dauer wenig innovativ.

Als ich mich das erste mal durch Ultimate Santana gehört hatte war ich doch leicht sehr erstaunt, wie sehr er in die Pop-Richtung abgedriftet ist.
Und bei Klassikern wie Oye Como Va macht er auch einen eher halbherzigen Job. Er spielt mit viel Gefühl, keine Frage. Aber er überdreht das ganze etwas, stiftet Unruhe, wo sie nicht hingehört und macht aus einem gut gemeinten Perkussiven Mahlwerk auch stellenweise einfach Matsch. Und auch auf seinem neuen Album Shape Shifter macht er nicht all zu viel besser..´

Warum füllt er also dennoch sämtliche Hallen? Nun, genau sagen kann das wohl keiner.
Aber man kann ja mal mutmaßen. Zum einen hat allein schon der Name Santana eine unglaubliche Tragweite und Resonanz. Jeder kennt ihn.
Zum anderen stehen viele Zuhörer und Fans auch einfach auf seine Klassiker. Auf Samba Pa Ti und Oye Como Va, auf Black Magic Woman, Maria Maria, Europa und und und. Ich selbst habe ihn auch schon life sein Programm runterspielen sehen – und live macht er einfach eine gute Stimmung.

Abschließend halten wir also fest, dass Ultimate Santana eher ein Griff ins Klo war – und der Meister sich mal wieder neuen Herausforderungen stellen und aus seinem Woodstock-Trip herauskommen sollte!